pro Su-Ro - Bergstadtbote September 2022

9 Landkreis Demenzforum: Weg vom Inhalt – hin zu den Gefühlen Die vhs Amberg-Sulzbach ist Begegnungsort, ein Ort des Lernens, ein Ort, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Wir bieten verschiedenste Angebote, um sich ein Leben lang und insbesondere im Alter geistig und körperlich fit zu halten – aber auch, um sich informieren und beraten zu lassen. Im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche findet am 21.09.2022 im Steinstadel in Königstein ein Landkreis Demenzforum statt. Hier laden der Verein SEGA e.V., die vhs Amberg-Sulzbach und der Landkreis Amberg-Sulzbach zu einem Informationsnachmittag ein. Weitere Details im aktuellen VHS-Programmheft und den Flyern. Mein Ehepartner hat Demenz… was nun? Ein Erlebnisbericht. Geschrieben von Sonja O., SEGA e.V., mit freundlicher Genehmigung von Hans K. Als die Diagnose Demenz kam, waren wir noch sehr entspannt. Was soll schon Schlimmes passieren? Wir sind seit Jahren ein gutes Team und haben viele Höhen und Tiefen erlebt. Ja, wir waren uns sicher, wir schaffen das. Unsere Kinder verdrängten das Thema und waren nicht bereit sich damit auseinanderzusetzen. Wir dachten, wir lassen ihnen Zeit. Anfangs waren die Situationen auch noch händelbar. Man konnte noch gemeinsam lachen, wie z.B. darüber, dass die Hausschuhe auf einmal im Gefrierfach gelandet sind. Die guten Tage wurden aber immer weniger und es gab kaum mehr ein Wir, sondern nur noch mich und die Demenz, die die Liebe meines Lebens veränderte. Die einfachsten und alltäglichsten Sachen waren nicht mehr durchführbar. Der Weg nach Hause, warum sie nicht mehr Autofahren durfte oder wie das Handy funktioniert, wurde vergessen. Als sie dann noch stürzte und zwei Wochen ins Krankenhaus kam, verschlimmerte sich die Situation erneut. Zweimal pro Woche kam nun ein Pflegedienst und unterstützte uns bei der Körperpflege, aber ansonsten war ich allein damit gelassen. Gerade die Nächte brachten mich an die Grenzen meiner Kraft. „In guten wie in schlechten Zeiten“, ich hatte ihr das versprochen. Ich schämte mich für meine Gedanken, sie in ein Heim zu geben - damit es mir und ihr wieder besser geht. Aber ich verdrängte das und passte mich dem Verhalten unserer Kinder an. Alles nicht so schlimm! Aber es kam, wie es wohl kommen musste: Eines Nachts stand sie auf und wollte kochen. Sie ließ ein Geschirrtuch auf der heißen Herdplatte liegen. Und es brannte. Nicht nur in unserer Wohnung, sondern es brannte in unserem Leben. Ich brauchte Hilfe. Aber woher? Was sollte ich tun? Ich las von einem Verein, der sich um die seelische Gesundheit im Alter kümmerte. Es kostete mich viel Mut dort anzurufen. Denn aus meiner Sicht war das ein Eingeständnis, dass ich versagt hatte. Zu meiner Überraschung wurde mir viel Verständnis entgegengebracht und bereits am Telefon erhielt ich einige Ratschläge zum einfühlsamen Umgang mit meiner Frau. Später wurden wir zur Verbesserung der Wohnsituation von einer Pflegeberaterin besucht. Außerdem erhielt ich Angebote zum Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen. Über den Verein erfuhr ich von der Fachstelle für pflegende Angehörige, von Anbietern in meiner direkten Umgebung, die mich entlasteten und meine Frau professionell begleiteten. So wurden mit ihr mehrere Museumsausflüge unternommen und spazieren gegangen. Meine Frau liebte die Kunst und Spaziergänge in der Natur. Mein entscheidendstes Erlebnis war, als die Begleiterin kam und meine Frau einen ihrer willkürlichen Schreianfälle hatte. Es war mir so unangenehm, dass ich die Dame bat wieder zu gehen, da ich dachte meine Frau sei einfach nicht in Stimmung. Sie beruhigte mich aber, ging zu meiner Frau, kniete sich vor sie und nahm ganz sanft ihre Hand. Zu meiner großen Überraschung hörte meine Frau sofort auf zu schreien. Mittlerweile ist meine Frau verstorben. Auch in dieser Zeit wurde ich von dem Verein au f g e f ang e n und an eine Trauerbegleitung vermittelt. Heute bereue ich nur eins – dass ich mich nicht vorher bemüht habe. Wie unnötig schwer habe ich es mir und meiner Frau gemacht. Gerne würde ich die Leute wachrütteln und sie bitten sich frühzeitig mit den Themen auseinanderzusetzen. Es kann nun mal jeden treffen und besser man ist vorbereitet und gestärkt, wenn diese Situation eintrifft. Sabine van Erp / Pixabay. VHS-Angebote: sich fit halten 65plus • Standfest und Aktiv In Sulzbach-Rosenberg, 10x montags, ab 19.09.2022, je 10-11 Uhr, 39 €. Kurs M96123S In Kümmersbruck, 10x mittwochs, ab 28.09.2022, je 10-11 Uhr, 40 €. Kurs M96100KÜ • Präventiver Seniorensport, in Sulzbach-Rosenberg, 11x donnerstags, ab 22.09.2022, je 16-17 Uhr, 43 €. Kurs M96124S • Gesundheitsorientiertes Training 70plus, in Neukirchen, 11x donnerstags, ab 22.09.2022, je 17.30-18.15 Uhr, 43 € Kurs M96100N • Fahrradtour von Neukirchen ins Pegnitztal, Samstag 01.10.2022, 14-17 Uhr, 5 €, Kurs M96130N Anmeldung bei der VHS unter 09661-80294 oder www.vhs-as.de

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwMDQ=