pro Su-Ro - Bergstadtbote März 2024

4 Im Großen Saal des Gotischen Rathauses von Sulzbach-Rosenberg hängen Ölporträts der beiden letzten Vertreter des Hauses Pfalz-Sulzbach gleich nebeneinander: Kurfürst Karl Theodor (1724-1799) und seine Cousine Franziska Dorothea (1724-1794). (Foto: ml) Das Porträt der letzten Sulzbacher Pfalzgräfin Franziska Dorothea (1724-1794) im Rathaussaal ist eine vergrößerte Kopie eines Gemäldes aus Johann Esaias von Seidels „Pantheon“ am Sulzbacher Schloss. Im rechten Bildhintergrund sieht man von Rosenberg das Schlössl „Franziskaruh“, die Pfarrkirche St. Johannis und den Burgberg. (Foto: ml) Wann waren Sie zum letzten Mal im großen Rathaussaal…? Wenn Sie demnächst hineingehen, huldigen Sie doch bitte gleich links an der Südwand den fürstlichen Jubilaren des Jahres: Kurfürst Karl Theodor (1724-1799) und seiner Cousine Franziska Dorothea (17241794). Die zwei Wittelsbacher sind zwar nicht in Sulzbach geboren. Doch schlossen beide das historische Tor des Hauses „Pfalz-Sulzbach“ und standen an der Schwelle zu einem neuen Bayern, dem 1806 errichteten Königreich. „Ladies first“: Franziska Dorothea kam am 15.6.1724 auf Schloss Schwetzingen zur Welt. Ihre Mutter Elisabeth Auguste von Pfalz-Neuburg (1693-1728) hatte Joseph Karl (1694-1729) zum Mann. Dieser, der erste Sohn des Sulzbacher Pfalzgrafen Theodor Eustach, sollte Kurfürst von der Pfalz werden, starb aber vor Antritt des Erbes. Franziska Dorothea formiert mit ihren Schwestern Elisabeth Auguste (1721-1794) und Maria Anna (1722-1790) das illustre Trio der „Sulzbacher Prinzessinnen“. Dem widmet sich demnächst eine Sonderausstellung im Stadtmuseum. Elisabeth Auguste heiratete 1742 ihren Cousin Karl Theodor – bei einer Doppelhochzeit in Mannheim, wo gleichzeitig Maria Anna ihren Großcousin Herzog Clemens von Bayern (1722-1770) ehelichte. Franziska Dorothea hielt sich ebenfalls am Pfälzer Hof auf. Dort traf sie auf Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld, mit dem sie 1746 eine Ehe schloss. Der vom Großvater gewollte Bund führte freilich nicht in den höchsten Himmel der Liebe, im Gegenteil… Keineswegs schüchtern, bandelte Franziska Dorothea hie und da schon mal mit anderen an. Prompt wurde sie 1759 in Mannheim von einem Schauspieler schwanger. Das war ihrem Gemahl nun doch zu bunt! Er brachte die vitale Frau hinter Klostermauern. Als aber deren Gatte 1767 unter der Erde war, erbarmte sich Kurfürst Karl Theodor seiner Base. Seinem intellektuell-introvertierten, oft melancholischen Gemüt zum Trotz auch kein Kostverächter, versetzte er die Witwe 1768 ins leerstehende Sulzbacher Schloss. Nun wohnte dort, nach Johann Christians (1700-1733) Tod, endlich wieder eine fürstliche Person. Doch das von ihr renovierte ‚Austragshäusl‘, immerhin die Wiege ihres Fürstenhauses, schien nicht zu genügen. Die lebensfrohe Witwe ließ am Fuß des Rosenberger Burgbergs das Lustschlösschen „Franziskaruh“ bauen. Wie ruhig es dort zuging, sei dahingestellt. Sehr still jedenfalls bettete man die Verstoßene, am 15.11.1794 verstorben, in der Fürstengruft unter St. Marien zur letzten Ruhe. Unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit übrigens – nur ein Priester war zugegen. Pfalzgraf Karl Theodor wurde am 10.12.1724 auf Schloss DroFranziska Dorothea und Karl Theodor: Zwei Geburtstagskinder „von Pfalz-Sulzbach“ Dr. Markus Lommer, Heimat(er)kunde(n) Nr. 38

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