Kopfarbeit in guten Händen

284 8 Die Testbatterie – Grundlage einer effektiven Therapie wegen der engen reflektorischen Verknüpfung zu den Augen Bewegungsstörungen in Formvon Nystagmen nach sich. Augenbewegungsstörungen wiederum führen oft zu unbewussten stereotypen Mitbewegungen der HWS oder des Kiefers. Im Anhang des Buches findet sich ein vierseitiges Formblatt zur Dokumentation der vielfältigen Ergebnisse aus der Testbatterie. ZumeinemTeil sind die Ergebnisse der Testbatterie nicht ausreichend, sodass weiterführende fallspezifische Assessmentverfahren oder manualtherapeutische Untersuchungen angeschlossen werden müssen, bevor der Therapeut angepasste Maßnahmen und Übungen für den Patienten ableitet. Auch spielen die Erfahrung und Expertise bei der Auswertung oder Interpretation der Testergebnisse und der Therapieauswahl eine Rolle. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich, dass die Tests explizit für abzuleitende Behandlungsschritte erforderlich sind. In den folgenden Beschreibungen sind verlässliche Gütekriterien der Tests angegeben, sofern sie darüber verfügen. Die Funktionstests der Testbatterie sind ein wesentliches Element innerhalb des therapeutischen Prozesses (Abbildung 8-1). Ihre Ergebnisse ermöglichen es, zusammen mit der ärztlichen Diagnose, der Anamnese und Inspektion therapeutische Maßnahmen und Übungen abzuleiten. Weiterführend setzt der Therapeut fallspezifische Fragebögen und validierte Assessmentverfahren ein. Und bei einer muskuloskelettalen Funktionsstörung führt er zusätzliche manualtherapeutische Techniken durch, die in den Folgekapiteln erläutert sind. 8.1 Sicherheitstests vor der Therapie Insbesondere die Symptome Kopfschmerz und Schwindel oder ein vorausgegangenes Trauma sowie damit in Zusammenhang stehende Red Flags sind als Hinweise zu werten, ernsthafte Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des zentralenNervensystems zu überprüfen. Für den Therapeuten empfehlen sich hierfür die sogenannten Sicherheitstests, die eine Blutdruckmessung, zeitdefinierte gehaltene endgradige Einstellungen der HWS, manualtherapeutische Stabilitätsteste der HWS und eine orientierende neurologische Untersuchung der Hirnnerven enthalten. Sind die Ergebnisse der Tests positiv, muss der Therapeut in Abhängigkeit von der bisherigen Diagnostik die Einschätzung treffen, ob der Patient in eine ärztliche Betreuung geschickt und nicht weiter untersucht oder behandelt wird. 8.1.1 Blutdruckmessung: Testcode 01 Testauswahl: Kopfschmerzen und eine rote Gesichtsverfärbung in Zusammenhang mit anamnestischen Hinweisen auf eine akute Herz-Kreislauf-Erkrankung bzw. ein Schlaganfallrisiko veranlassen den Therapeuten, eine Blutdruckmessung durchzuführen. Sie liefert einen verlässlichen Parameter zur Beurteilung von Bluthochdruck. Ausführung und Bewertung richten sich nach den Europäischen Leitlinien für das Management von arteriellemBluthochdruck (Williams et al., 2018). Bevor mit der Blutdruckmessung begonnen wird, sollten die Patienten bequem für mehrere Minuten in einer ruhigen Umgebung sitzen. DieManschette wird auf der Höhe des Herzens am linken Arm positioniert, wobei Rücken und Arm gestützt sind, um Blutdruckerhöhungen bedingt durch Muskelarbeit zu vermeiden. Es sollten wenigsten zwei, besser drei Blutdruckmessungen im Abstand von ein bis zwei Minuten erfolgen. Diese sollten nicht mehr als 10 mmHg differieren. Blutdruck-Normwerte beim Erwachsenen (ab 16 Jahre) liegen bei 120– 129 mmHg in der Systole und 80–84 mmHg in der Diastole (Tabelle 8-2). Eine Hypertonie ist definiert ab einem systolischen Wert größer 140 mmHg und/oder einem diastolischen Wert von mehr als 90 mmHg. Ab einem Wert von 180mmHg systolisch und 110mmHg diastolisch,

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